Kinderlieder Märchen & Märchenlieder

Lieder eigens für Kinder nehmen nicht nur im Schulalltag, sondern auch in der Freizeit einen hohen Stellenwert ein. Die heute bekannten Kinderlieder stammen in der überwiegenden Mehrheit aus dem 19. Jahrhundert, als das Zeitalter der Romantik eine Rückbesinnung auslöste. Im aufkommenden Industriezeitalter schien die frühere Welt verloren zu gehen und die Bewahrung des Kulturgutes trieb viele Künstler an, sich auch volkstümlicher Kunst zu widmen. Das bekannteste Beispiel in dieser Frage sind sicher die Gebrüder Grimm mit ihrer Märchensammlung.

Ein Märchen in Liedform erzählen

Das war früher in allen Kulturkreisen verbreitet. Davon haben sich nur wenige bis in die Gegenwart erhalten, jedenfalls in Deutschland. Selbst in der Zeit der Romantik war man für den Inhalt aufgeschlossener als für die volkstümliche Darbietungsweise. Symbol dafür ist die hohe Produktivität von Komponisten, die Hunderte von Kinderliedern schrieben. Nur wenige davon nahmen die Tradition des Märchenliedes in der authentischen Form wieder auf. Das bekannteste Beispiel ist immer noch „Hänsel und Gretel“ aus der Sammlung der Gebrüder Grimm Märchen.

Hänsel und Gretel als Prototyp des Märchenliedes

Das Kinderlied zeichnet sich durch geringen Tonumfang und einfache Worte aus. Das dient dazu, dass die Kinder durch die leichte Fasslichkeit der Werke in der Lage sind, diese selbst zu reproduzieren. Auch das Lied von „Hänsel und Gretel“ bietet einfache Beschreibungen an, aber mit treffenden Adjektiven („bitterkalt“). Weiterhin arbeitet der Text mit Fragestellungen („Wer mag der Herr wohl von diesem Häschen sein?“) und Situationseffekten („Huuhuuh, da schaut …“), die der heute noch gebräuchlichen Erzählweise von Kindermärchen entsprechen und früher auch im Singsang enthalten waren. Interessant ist, dass der Schluss eine musikalische Präferenz enthält. Anstelle des üblichen „Und, wenn sie nicht gestorben sind …“ wird eine typisch textmusikalische Variante geboten: „Nun ist das Märchen von Hans und Gretel aus.“

Trotz des begrenzten Tonumfangs sind Märchenlieder durchaus mit charakteristischen kompositorischen Lösungen versehen, die den Inhalt bedienen. Beachtenswert ist in dieser Frage das Absenken des Tons am Ende jeder Zeile, was den geheimnisvollen Charakter des Vortrags unterstreicht und die Schlüsselworte betont („Wald“, „bitterkalt“, „Pfefferkuchenhaus“ usw.). Das Anheben des Tons am Ende der vorletzten Zeile signalisiert dagegen immer wieder die Außergewöhnlichkeit des folgenden Geschehens.

So, wie das Bürgertum die Kinder als Rezipienten von Märchenliedern entdeckte, taten dies auch die popmusikalischen Rebellen in den 70er-Jahren, als sie Eltern wurden. Sie nutzen zwar immer noch die traditionellen Gestaltungsweisen, lassen jedoch ihre Auffassung von lebendiger Musik mit einfließen. Die Verbreitung auf Tonträgern hat fast zu einem eigenen Wirtschaftszweig geführt und die Liedermärchen sind das gewichtigste Genre darunter. Auch im Internet sind sie inzwischen vertreten.

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