Laternenlieder

Werden die Tage wieder kürzer und verblasst die Sonne im trüben Wetter, erhält das Licht für die Menschen, jährlich wiederkehrend im Herbst, eine neue Bedeutung. Da früher nun, nach dem Ernten und Anlegen der Vorräte, die Fastenzeit begann, haben sich viele Bräuche herausgebildet, die diesen wichtigen Zeitpunkt im Jahr illustrieren. Licht und Umzüge spielten dabei schon immer eine besondere Rolle. Heute erinnern uns die Laternenumzüge an die Einbindung des Menschen in den Gang der Jahreszeiten.

Gemeinschaftsaktionen sind seit jeher von Musik und Gesang begleitet. Das gemeinsame Singen hat spirituellen Wert: Es vervielfacht die Kraft des Einzelnen und eint eine Gruppe im gleichen Sinn. Da es in der dunklen Jahreszeit früher darauf ankam, auch die bösen Geister fernzuhalten, war jederart Geräusch willkommen, um einen Zug durch die Natur zu begleiten. Lautes Musizieren und der auditive Kontakt demonstrieren Stärke, wie ja auch das berühmte Sprichwort vom „Pfeifen im Walde“ besagt. Zudem wird ein Klangraum geschaffen, der die Gemeinschaft sphärisch schützt. Letztendlich ist Musik immer auch für die gute Laune hilfreich.

Laternenumzüge für Kinder

Die Neuzeit hat aus den rituellen Handlungen Aktionen mit Unterhaltungswert gemacht. Erwachsene betreiben Umzüge eher zur historischen Traditionspflege oder aus Spaß zum Karneval. Für die Kinder jedoch hat sich der Reiz des Ganges durch die Dunkelheit in seiner geheimnisvollen Wirkung bewahrt. Entsprechend besinnlich sind die Lieder, die dazu gesungen werden. Es sind Kinderlieder im besten Sinne, die der faszinierenden Stimmung beim Laternenumzug Ausdruck verleihen. Selbst in den Großstädten sind die Laternenumzüge immer noch ein Ereignis für Kinder und viele Eltern haben den Brauch neu belebt, um ihren Kindern ein schönes Erlebnis zu verschaffen.

Laternenlieder lockern den Umzug auf

Es haben sich einige Laternenlieder als Standard herausgebildet, die beim Laternenumzug immer gesungen werden. „Ich geh mit meiner Laterne“ oder „Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne“ fehlen bei keinem Laternenumzug, wobei die Kenntnis der meisten Menschen über die erste Strophe nicht hinausgeht. Ganz anders in Süddeutschland, wo die Martinstradition noch sehr lebendig ist: Am 11. November, dem Tag des Heiligen Martin (im Mittelalter Bischof von Tour) ist der Laternenumzug für die Kinder fest eingeplant. Hier werden auch Lieder gesungen, die sich direkt auf den Heiligen Martin beziehen und insbesondere die Geschichte seiner Mildtätigkeit transportieren. „Ein Bettler saß im kalten Schnee“ erzählt die Martinslegende in Liedform und bezieht natürlich auch die Mahnung an die Singenden ein, selbst mildtätig zu sein und Schwächeren zu helfen. Beim Singen vor den Haustüren werden die Kinder zudem beschenkt, um diese Botschaft wirkungsvoll zu unterstreichen.

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